Bericht zur FNF-Mitgliederversammlung am Samstag, dem 18.11.17

Die diesjährige Mitgliederversammlung bildete den erfolgreichen Abschluss eines ereignisreichen Wochenendes. In gemütlicher Runde, bei der wir uns auch über unsere Gäste Anna Gyorgy (WLOE) und Katarina Marej (Referentin auf unserem Abendsymposium) freuen konnten, wurden bei den Vorstandswahlen einige Posten neu verteilt und angeregt über das alte und kommende Jahr im FNF diskutiert. Die zwei ehemaligen Praktikantinnen Kira Lizza und Jenni Ingenleuf wurden als neue Schatzmeisterin bzw. als weitere Beisitzerin gewählt. So kommt eine neue Generation in den Vorstand, was auf große Zustimmung stieß. Der alte Vorstand wurde bestätigt. Allen, die ihr Engagement und ihre Zeit für das FNF bereitstellen oder bereitgestellt haben, gebührt großer Dank!

MV 2017 Gruppenfoto
Bevor es dann zu den Aufgaben und Themen im neuen Jahr überging, wurde rekapituliert, was im letzten Jahr alles geleistet wurde. Nicht unerwähnt bleiben durfte hier natürlich das Abendsymposium „Vom Frieden her denken und handeln“ am Vorabend, aber auch vieles weitere wie der Abend mit Rebecca Lolosoli, die Bonner Friedenstage und die Friedensschifffahrt, das Philosophische Cafe in Berlin sowie das E-Learning-Projekt „Lernen mit Bertha“ der ehemaligen Praktikantin Daniela Leckler.

Anna Gyorgy vom Internetprojekt Women and Life on Earth nutzte die Gelegenheit, um eine Zusammenarbeit von Frauengruppen in den USA und Deutschland vorzuschlagen. Diese soll so aussehen, dass sich die Gruppen gegenseitig über die Aktivitäten der Friedensbewegung in ihren Ländern informieren, sodass der aktuelle Wissensstand erweitert wird und Kooperationen angeregt werden. Diese Projektidee wird auf jeden Fall weiterverfolgt. Auch das vorherige Abendsymposium gab einige Anregungen für neue Themen und Projekte. 2018 wird also garantiert wieder spannend und vielfältig!

Philosophisches Café "Frauen stiften Frieden" - Kant lesen? Kant lesen!

Gesprächsrunde zu philosophischen, sozialen und politischen Aspekten einer grundsätzlichen Friedenspolitik.
Ein Bericht von Margret Otto, Frauennetzwerk für Frieden e.V., zu dem Philosophischen Café vom 03.06.2017

Kant lesen?
Kant lesen!

Im Jahr 1795  veröffentlichte Immanuel Kant seine Schrift „Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf“. Diese Schrift war sofort ein großer Erfolg, sie wurde intensiv – auch kritisch – diskutiert und in viele Sprachen übersetzt. Und heute?

Heute in Zeiten einer dramatisch zunehmenden Bedrohung des Weltfriedens stellt diese Schrift eine erstaunlich aktuelle, philosophische Argumentation für die Herstellung und Wahrung von Frieden auf lokaler, regionaler und globaler Ebene dar. Die wichtigste Voraussetzung für Frieden ist nach Kant, die Zügelung der Macht auf der Grundlage von Absprachen und Regelungen unter den Menschen. Frieden ist kein Naturzustand, denn die menschliche Natur hat auch bösartige und grausame Züge. Der gesellschaftliche Zusammenhang aller Individuen ermöglicht es, Vereinbarungen, wie z.B. Gesetze, zu beschließen, mit denen ein Miteinander gestaltet werden kann. Ihre Einhaltung muss garantiert und immer wieder durchgesetzt werden.
Die drei Ebenen des Friedens beschreibt Kant in Form von  Präliminarien und Definitivartikeln und gibt seiner Schrift damit die Form eines Friedensvertrags. Sein Argument, dass der Frieden auf der Ebene des einzelnen Staats, mit dem Frieden zwischen den benachbarten Staaten und schließlich als Weltfrieden nicht von einander zu trennen sind, ist für uns längst eine unumstößliche Einsicht geworden. Nur so kann Nachhaltigkeit entstehen. Und das sind die Bedingungen für einen wirklichen Friedensschluss:

1.    Ein Friedensschluss darf nie mit der insgeheimen Absicht, Stoff für einen zukünftigen Krieg zu beinhalten, geschlossen werden.
2.    Kein Staat darf von einem anderen erworben werden können.
3.    Stehende Heere sollen mit der Zeit ganz aufhören.
4.    Es sollen keine Staatsschulden in Beziehung auf äußere Staatshändel gemacht werden.
5.    Kein Staat soll sich in die Verfassung und Regierung eines anderen Staats gewalttätig einmischen.
6.    Es soll sich kein Staat im Kriege mit dem anderen solche Feindseligkeiten erlauben, welche das wechselseitige Zutrauen im künftigen Frieden unmöglich machen müssen.

Hier kann nicht auf jeden einzelnen Punkt eingegangen werden. In unserer Zeit, in der verlogene Diplomatie, Denken in politischen Lagern, Interventionen aller Art, verbrecherische Waffenexporte u.a. fester Bestandteil von Politik sind, merken wir, wie fragil unser Frieden ist. Wir haben besonders den 6. Punkt  intensiv diskutiert. Wie viel Versöhnungsarbeit wäre nötig, statt alte Feindbilder immer wieder neu zu bedienen. Wenn die sechs Präliminarien nicht eingehalten werden, so Kant, dann haben wir keinen Frieden, sondern höchstens einen lumpigen Waffenstillstand, der jederzeit wieder zu einem neuen Krieg führen kann. Frieden muss gestiftet werden, er ist immer bedroht und muss immer hergestellt und bewahrt werden. Drei politische Voraussetzungen sind dabei unerlässlich:

1.    Die bürgerliche Verfassung in jedem Staate soll republikanisch sein.
2.    Das Völkerrecht soll auf einem Föderalismus freier Staaten gegründet sein.
3.    Das Weltbürgerrecht soll auf Bedingungen der allgemeinen Hospitalität eingeschränkt sein


Frieden erfordert nach Kant eine moralische Verfasstheit und Haltung, die u.a. auch Bertha von Suttner einfordert und die wir heute Friedensfähigkeit nennen würden. Mit scharfen Worten verurteilt Kant deshalb auch Machtmissbrauch, Zügellosigkeit und Menschenverachtung auf Seiten der Herrschenden. Frieden ist für ihn unauflösbar mit sozialer Gerechtigkeit verbunden. Er geißelt den Verkauf von Soldaten an andere Staaten ebenso wie die räuberische Ausbeutung von Menschen anderer Kontinente durch Kolonialherren.  Es ist immer wieder bemerkenswert, wie viel Aktualität in seinen Gedanken ist. Zu der für uns momentan so wichtige Frage des Umgangs mit geflüchteten Menschen führt Kant aus: „Es ist hier wie in den vorigen Artikeln nicht von Philanthropie sondern von Recht die Rede, und da bedeutet Hospitalität das Recht eines Fremdlings seiner Ankunft auf dem Boden eines anderen wegen von diesem nicht feindselig behandelt zu werden. Dieser kann ihn abweisen, wenn es ohne seinen Untergang geschehen kann, solange er sich aber auf seinem Platz friedlich verhält, ihm nicht feindlich begegnen. (...) Es ist ein Besuchsrecht, welches allen Menschen zusteht, sich zur Gesellschaft anzubieten vermöge des Rechts des gemeinschaftlichen Besitzes der Oberfläche der Erde, auf der als Kugelfläche sie sich nicht ins Unendliche zerstreuen können, sondern endlich sich doch nebeneinander dulden müssen, ursprünglich aber niemand an einem Orte der Erde sein mehr Recht hat, als der andere.“

Zum Nachlesen: Immanuel Kant „Zum ewigen Frieden“

Das Philosophische Café findet in unregelmäßiger Folge im Alex-Treff, Berlin statt. Es wurde initiiert von Ruth Grünbaum, Baha’i Frauenforum und Margret Otto, Frauennetzwerk für Frieden e.V.
Die Zusammenfassung gibt die während des Treffens diskutierten Themen wieder.

Abendsymposium "Vom Frieden her denken und handeln" - Freitag, 17.11.17 in Bonn

„Vom Frieden her denken und handeln“ – das ist leichter gesagt als getan. Sowohl, wenn wir über internationale Konflikte sprechen, als auch, wenn es um Konflikte und Probleme in Abendsymposiumunserem persönlichen Umfeld und Alltag geht. Was bedeutet es, in einer „Logik des Friedens“ zu denken? Was bedeutet es, eine „Kultur des Friedens“ zu schaffen? Welche Paradigmenwechsel, welche Menschenbilder liegen dem zugrunde? Und was braucht es, um einen friedenslogisch-friedenskulturellen Paradigmenwechsel in uns und anderen herbeizuführen? In unserem Abendsymposium „Vom Frieden her denken und handeln: Alternativen zur Sicherheitslogik und Gewaltkultur“ am Freitag, dem 17.11.2017, von 16:15 Uhr bis 21:00 Uhr, wollen wir uns diesen Fragen nähern und haben dazu Referent*innen eingeladen, die sich sowohl wissenschaftlich mit einer Friedensperspektive in ihren Disziplinen auseinandersetzen als auch damit, wie man ganz praktisch den Frieden im eigenen Umfeld sichtbar machen und ihm näher kommen kann.

Referent*innen: Prof. em. Peter van den Dungen (University of Bradford), Dr. Susanne Jalka (Universität für angewandte Kunst Wien), Katarina Marej (Doktorandin) und Beate Roggenbuck (Plattform Zivile Konfliktbearbeitung).

Die Ergebnisse der Veranstaltung werden im Rahmen des Projekts „Friedenslogik weiterdenken“ der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung dokumentiert und weiterverarbeitet. Die Veranstaltung wird gefördert durch die Stiftung Internationale Begegnung der Sparkasse in Bonn, die Stiftung Apfelbaum sowie im Rahmen des Projekts „Friedenslogik weiterdenken“ der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung durch Bundesmittel des Programms zivik – Zivile Konfliktbearbeitung des ifa Institut für Auslandsbeziehungen. Wir danken herzlich für diese Unterstützung!

Weitere Informationen gibt es hier.

Kolumbianische Friedensaktivistin zu Gast in Bonn

Das waren zwei ungemein spannende Stunden am Donnerstag, dem 19.10.2017, im Internationalen Frauenzentrum Bonn (ifz)! Die Aktivistin Sandra Isaza Giraldo aus Kolumbien war auf Einladung des FNF, des ifz, des Lateinamerikazentrums Bonn und des Vereins Wissenskulturen zu Gast in Bonn und erzählte packend von ihrer gleichermaßen friedenspolitischen wie friedenspädagogischen Arbeit in ihrer Heimat. Ihr feministisch-antimilitaristisches Netzwerk „Red Feminista Antimilitarisma“ betreibt Sandra Heide ConstanzaBasisarbeit in den Barrios von Medellín. Gewaltprävention und die Bekämpfung der patriarchalen Gewaltkultur stehen genauso auf ihrer Agenda wie die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Formulierung einer Friedenskultur – sowohl im öffentlich-politischen wie im privat-häuslichen Bereich. Die Frauen leisten unglaublich beeindruckende und mutige Arbeit in einem Umfeld, in dem sie als linke Aktivistinnen auch immer wieder direkter Gewalt ausgesetzt sind. Wir sind sehr froh, dass Sandra auf ihrer Deutschlandreise auch einen Stopp in Bonn gemacht und uns von ihrem Engagement berichtet hat!

Und falls auch ihr eure Solidarität zeigen möchtet: Das ifz will einen Arbeitskreis Kolumbien einrichten, in dem überlegt werden soll, wie wir hier in Deutschland die Arbeit der Frauen in Kolumbien unterstützen können. Meldet euch dazu einfach beim ifz, jede*r ist willkommen!

Foto, von links nach rechts: Heide Schütz (FNF), Sandra Isaza Giraldo (Red Feminista Antimilitarista), Constanza Paetau (ifz)

Newsletter Juli bis September 2017

Mit viel Freude können wir Ihnen den aktuellen Newsletter (Juli-September) des FNF präsentieren - Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

 Screenshot Newsletter 3 2017

Diesen Sommer hat es viele tolle Aktionen und Veranstaltungen rund ums FNF gegeben. In dem Newsletter berichten wir unter anderem über die diesjährige Kampagne „Stopp Airbase Rammstein“ oder den erneuten Besuch von Rebecca Lolosoli, die Friedensschifffahrt aus Anlass des 10-Jährigen Jubiläums der Bonner Friedenstage und viele weitere Aktivitäten.

Außerdem gratulieren wir der internationalen Kampagne zur Abschaffung aller Atomwaffen ICAN zum Friedensnobelpreis und zum Anita-Augspurg-Preis „Rebellinnen gegen den Krieg“ durch die IFFF/WILPF.

Nicht zu vergessen: die Terminvorschau! Sehr spannend wird das intensive Wochenende 17./18.11. Mit dem hoch karätig besetzten Abendsymposium „Vom Frieden her denken und handeln“, der Wiederbegegnung mit Anna Gyorgy, die zurück aus den USA zum Thema Trump und Klimakonferenz referieren wird, sowie unserer diesjährigen Mitgliederversammlung mit neuen Informationen zur Zukunft des FNF. Wir haben wieder viel vor!

    • Kontakt

      Telefon: +49(0)228 - 62 67 30
      Fax: +49(0)228 - 62 67 80
      E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
      Ansprechpartnerin: Heide Schütz

    • Anschrift

      Frauennetzwerk für Frieden e.V.
      Dr. Werner-Schuster-Haus
      Kaiserstr. 201
      D-53113 Bonn