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FNF unterstützt offenen Appell "Keine Atomwaffen für die nächste Generation"

icanlogoIn ihrer Funktion als Vorsitzende des FNF hat Jenni Ingenleuf den offenen Appell "Hiroshima und Nagasaki mahnen: Keine Atomwaffen für die nächsten Generationen" von ICAN unterschrieben. Der Appell fordert, dass die Diskussion über die Anschaffung neuer Trägersysteme für die in Deutschland stationierten Atomwaffen ein für alle Male beendet wird. Hiroshima und Nagasaki mahnen, welche katastrophalen Folgen Atomwaffen für Mensch und Natur haben.  Außenminister Heiko Maas und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer werden aufgefordert eine neue Aufrüstungsspirale zu verhindern.

Der Appell soll vor allem von politischen Jugendorganisationen und jungen Menschen unter 35 unterzeichnet werden.  Die Erstunterzeichnenden sind: die grüne Jugend, Jusos,  Luisa Neubauer, Max Weber und Maike Rolf von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden und Michael Nann, Referent für den Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

 Sehr geehrter Herr Außenminister Maas,
 
Sehr geehrte Frau Bundesverteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer,
 
im August 1945 erlosch das Leben Hunderttausender in Hiroshima und Nagasaki, nachdem die US-Amerikanische Regierung über beiden Städte Atombomben abwarf. Auch heute noch, 75 Jahre danach, leiden die Betroffenen und ihre Nachkommen an den Folgen der Angriffe.
 
Für uns junge Menschen, die nach dem Kalten Krieg geborene Generation, waren Hiroshima und Nagasaki und der Einsatz von Atomwaffen lange Zeit nur eine Episode im Geschichtsunterricht. Aktuell diskutiert die Bundesregierung jedoch die Anschaffung neuer Trägersysteme für die in Deutschland stationierten US-Nuklearwaffen. Damit würde sich Deutschland auf weitere Jahrzehnte am Konzept der “nuklearen Abschreckung” beteiligen – und damit an der Drohung des potenziellen Einsatzes von Massenvernichtungswaffen. Diese Gefahr darf nicht verharmlost werden.
 
Atomwaffen sind die verheerendsten Massenvernichtungswaffen, deren Einsatz Mensch und Umwelt katastrophalen, dauerhaften Schaden zufügt. Die Atombombenproduktion bedeutet die systematische Zerstörung von nicht-industriellen Gesellschaften,[1] mit negativen Auswirkungen vor allem auf indigene Völker und Menschen im globalen Süden. So haben etwa alle oberirdischen Tests auf indigenem Land stattgefunden und 70% des Uranvorkommens befinden sich heute auf dem Territorium indigener Völker.  Auch die Schäden für die natürliche Umwelt sind desaströs: Erst vor einigen Monaten bestätigte eine Studie die Veränderung von Niederschlagsmustern durch die nuklearen Tests der USA und der Sowjetunion – tausende von Kilometern weit weg, mit erhöhter Radioaktivität.[2] Die Detonation von  50 bis 100 Atombomben, 0.03% des weltweiten Atomwaffenarsenals, würde genug Ruß in die Atmosphäre schleudern, um noch nie dagewesene klimatischen Anomalien zu schaffen[3].
 
Mit Sorge beobachten wir die globale Abkehr von Abrüstungsverträgen. Eine erneute Aufrüstungsspirale könnte katastrophale Konsequenzen haben und muss deshalb unbedingt verhindert werden. Wir erwarten von allen Atommächten ein klares Bekenntnis zu neuen Verträgen. Auch die Entwicklung sogenannter “Mini-Nukes” bereitet uns Sorgen. Denn auch die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki sind nach heutigen Maßstäben kleine Atomwaffen. Mini-Nukes senken die Hemmschwelle zum Einsatz und erhöht die Gefahr eines weiteren Abwurfs von Massenvernichtungswaffen – heute, wie vor 75 Jahren, wären die Konsequenzen auf Mensch und Umwelt desaströs und irreversibel.
 
Hiroshima und Nagasaki mahnen uns: Atomwaffen sind kein politisches Strategiespiel, keine reine Abschreckungstaktik – sie werden für den Einsatz hergestellt. Wir appellieren daher an Sie:
 
sich stärker für die Ächtung von Atomwaffen als völkerrechtswidrige Massenvernichtungswaffen einzusetzen;
die nukleare Teilhabe Deutschlands zu beenden und dafür einen konkreten Plan vorzulegen; eine Sicherheitspolitik jenseits der nuklearen Abschreckung zu betreiben, die unserer Generation ein Leben in Frieden ermöglicht;
dem 2017 im Rahmen der Vereinten Nationen beschlossenen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen beizutreten.
Wir wollen die zukünftige Sicherheitspolitik Deutschlands mitgestalten und uns nicht für weitere Jahrzehnte einem veralteten Abschreckungsmodell verpflichten. Wir setzen uns für internationale Zusammenarbeit ein, die auf Kooperation, Diplomatie und Gerechtigkeit beruht. Wir verbleiben mit freundlichen Grüßen und dem Appell für eine Zukunft ohne Massenvernichtungswaffen.
 
[1] Atomwaffen A bis Z: Nuklearer Neokolonialismus, www.atomwaffena-z.info/geschichte/atomwaffentests/nuklearer-neokolonialismus.html
 
[2] University of Reading. „Cold War nuke tests changed rainfall: Radioactive period following nuclear bomb tests changed rainfall patterns thousands of miles from the detonation sites.“ ScienceDaily. ScienceDaily, 13 May 2020. <ww.sciencedaily.com/releases/2020/05/200513111415.htm>.
 
[3] The Guardian (12.12.2006 Alok Jha): Climate Threat from nuclear bombs www.theguardian.com/environment/2006/dec/12/nuclearindustry.climatechange
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