„Gegen Unrecht – wenn man es als solches erkennt – muß man sich wehren – da gibt’s nichts anderes. Schweigen ist da, obwohl es Verachtung auszudrücken vorgibt, selber verächtlich.“ - Bertha von Suttner
Juni ist bei uns Bertha-Zeit, denn sowohl Bertha von Suttners Geburtstag (9.6.1843) als auch ihr Todestag (21.6.1914) fallen in diesen Monat. Bertha von Suttner war Schriftstellerin, Aktivistin und Pazifistin und erhielt 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis, zu dessen Stiftung sie selbst Alfred Nobel inspiriert hatte. Doch was viele nicht wissen: Sie kämpfte auch leidenschaftlich gegen Antisemitismus.
In ihren Memoiren schreibt sie: „Wir waren noch im Kaukasus, als wir zu Anfang der achtziger Jahre von dem in Preußen erwachten, vom Hofprediger Stöcker propagierten Antisemitismus Kunde erhielten. Uns flößte diese Erscheinung – das brauche ich wohl nicht erst zu sagen – lebhaften Abscheu ein. Wir legten die Argumente gegen diesen Rückfall in das Mittelalter in verschiedenen Artikeln nieder, die wir an die Wiener Blätter einsandten, deren regelmäßige Mitarbeiter wir waren. Die Artikel wurden uns zurückgeschickt mit der Begründung: In Oesterreich gibt es keinen Antisemitismus, und sollte sich aus Preußen etwas davon zu uns verpflanzen, so wäre das einzige richtige Verhalten dagegen: verächtliches Stillschweigen. Daß dieses Verhalten nicht das richtige war, haben die späteren Ereignisse gezeigt. Gegen Unrecht – wenn man es als solches erkennt – muß man sich wehren – da gibt’s nichts anderes. Schweigen ist da, obwohl es Verachtung auszudrücken vorgibt, selber verächtlich. Nicht nur die Betroffenen müssen reagieren; auch den Unbeteiligten, wo immer sie ein Unrecht sehen, kommt es zu, sich dagegen aufzulehnen.“
1891 gründete Berthas Mann Arthur Gundaccar von Suttner den österreichischen „Verein zur Abwehr des Antisemitismus“, den Bertha tatkräftig unterstützte.
Die eigenen Privilegien zu nutzen und sich an die Seite von Betroffenen stellen - egal ob es um Antisemitismus, Antiziganismus, antimuslimischen Rassismus, Ableismus oder andere Formen von Diskriminierung geht - das können wir von Bertha und Arthur von Suttner lernen.


