Wir trauern um unsere langjährige Vorstandsfrau und liebe Freundin Inge Heyl. Am 10.4. 2026 verstarb sie in Berlin im Alter von 98 Jahren.
Als junges Mädchen erlebte Inge Heyl die Kriegs- und Nachkriegszeit und war Zeit ihres Lebens eine engagierte Kämpferin für Demokratie und Frauenrechte. Sie hatte das große Glück, während des Studiums in die USA eingeladen zu werden, um dort zu lernen, wie Demokratie funktioniert. Es war dies vor allem ein Anliegen US-amerikanischer Frauenverbände, die deutschen Frauen im Nachkriegsdeutschland für den Demokratieaufbau stark zu machen.
Den Beruf der Lehrerin konnte sie nach der Eheschließung nicht mehr ausüben, denn das war seitens der deutschen Gesetzgebung und der Mehrheitsgesellschaft unvereinbar. Die gut ausgebildete Mutter von drei Kindern wurde aber genau das, was die US-amerikanischen Frauen sich vorgestellt hatten: eine tatkräftige Akteurin aus der Zivilgesellschaft beim Aufbau der Demokratie sowie der Chancengleicheit und Gleichstellung der Geschlechter in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945. Auf nationaler Ebene war der Deutsche Frauenring e.V. mit seinen starken Ortsgruppen ihr Aktionsfeld, z. B. im Ortsring Leverkusen, auf internationaler Ebene die International Alliance of Women (IAW) mit Zugängen zu den internationalen Gremien einschließlich der Vereinten Nationen. Mehrere Jahre war sie deren Vize-Präsidentin.
Inge Heyl hat die Gründung des Frauennetzwerk für Frieden e.V. maßgeblich angestoßen, indem sie in vielen Gesprächen innerhalb der deutschen Delegation auf der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 immer wieder betonte, wie wichtig es sei, dass das Thema Frieden auf der Ebene der deutschen Frauenorganisationen eine stärkere Stimme bekomme. Das Leitmotiv der Weltfrauenkonferenz war „Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden“. Später begleitete sie den jungen Verein als Vorstandsfrau verlässlich mit Rat und Tat. Wir konnten viel von ihr lernen. Dabei war sie nie dominant, sondern stets freundlich und kooperativ, menschlich zugewandt. Auch sie lernte gern aus der Expertise der Friedensarbeit Neues hinzu und sparte nicht mit Anerkennung. 2021 nahm sie teil am FNF-Projekt „FriedensFrauen im Generationendialog“.
Ihre Familie blieb ihr wichtig. Das Otto-Dibelius-Stift in Berlin wurde im hohen Alter ihre Heimat, wo sie in verschiedenen Gesprächskreisen und als Vorleserin für blinde Mitbewohner*innen weiterhin für lange Zeit aktiv blieb.
Liebe Inge, Du warst ein großes frauenpolitisches Vorbild und eine liebe Freundin. Wir vermissen Dich. Ruhe in Frieden.
Für das Frauennetzwerk für Frieden e. V.
Heide Schütz
Ehrenvorsitzende


