Bosiljka Schedlich

Das Kriegstrauma erfüllt alle unsere Zellen mit Furcht. Heilung ermöglicht die Rückkehr zum Frieden und zum gegenseitigen Vertrauen als Menschen.

Das von Bosiljka Schedlich 1991 in Berlin gegründete Zentrum südost Europa Kultur e.V. führt viele Projekte für traumatisierte Kriegsopfer aus dem ehemaligen Jugoslawien durch: Gruppentherapie, Sozialberatung, Sprachkurse, Ausbildungsprogramme für Jugendliche, Kunstgruppen für Kinder und Schulen für Romakinder in Bosnien. Zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen hat Bosiljka Schedlich im ehemaligen Kriegsgebiet auch die Versöhnungsarbeit durch Patenschaften belebt.
Die Erzählcafés in Bosnien, von denen es jetzt mehr als 60 gibt, sind ihr Lieblingsprojekt. Der Grundgedanke ist, dass ältere Menschen aus dem Wohnort und ausländische Gäste ihre Lebensgeschichten in einer angenehmen Atmosphäre erzählen können. Auf diese Weise können Menschen in den Geschichten anderer das Leiden ohne den ethnischen Kontext anerkennen. So haben bereits ältere Menschen vom Zweiten Weltkrieg erzählt; ein deutsches Ehepaar hatte während der Hitlerzeit Juden/Jüdinnen versteckt. Andere berichteten von ihren Erlebnissen in anderen Kriegen; einer hatte zum Beispiel den Krieg in Algerien überlebt.
In Bjeljina, das noch immer eine Festung des serbischen Extremismus ist, hatte eine Muslimin den Mut, über ihre Begegnung mit einem der berüchtigten serbischen Milizenführerzu sprechen. "Sie erzählte von den vielen Leichen vor dem Hospital", sagt Bosiljka. "Es waren Menschen, die von der Miliz erschossen worden waren. Tödliches Schweigen. Ein alter Lehrer, dessen Sohn die extremistische serbische Partei gegründet hatte und für den dieser Führer ein Held war, signalisierte mir immer wieder, ich solle die Frau unterbrechen. Meine Kollegen/-innen verließen den Raum, sie dachten, nun würde eine Bombe platzen. Als die Frau fertig war, ließ ich den Lehrer sprechen. Er ratterte die serbische Propaganda herunter.
Als er aufhörte, dankte ich ihm und beendete das Thema. Wir seien nur an dem interessiert, was jede und jeder Einzelne, nicht die ethnischen oder religiösen Gruppen, erlebt hatte. Das war für ihn die Bombe, aber es wirkte. Danach waren alle entspannter und wir sangen zusammen."
Als der Krieg im ehemaligen Jugoslawien ausbrach, flohen etwa 45.000 Menschen nach Berlin. Im Zentrum südost Europa Kultur e.V. fanden viele von ihnen Schutz, Rat und Hilfe. Das Zentrum hilft bei der Wiederherstellung eines Gefühls der Menschenwürde. Heute führt das Zentrum auch in den vom Krieg zerstörten und traumatisierten Gebieten Projekte durch.

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