Traude Rebmann war eine begnadete Ausbilderin und Trainerin des Mediationsverfahrens, der Vermittlung in gewaltfreier Konfliktlösung. Schon 1987 machte sie selbst die Ausbildung an der University of Oregon, USA, und brachte dann das Konzept und die "Technik", das Knowhow des Verfahrens der Mediation nach Deutschland und Europa. Im Auftrag verschiedener Friedensorganisationen, z. B. "Eirene" oder dem "Bund für Soziale Verteidigung" unterstützte sie den Friedensprozess in Nordirland und später von Friedensgruppen während des Jugoslawienkrieges , z. B. In Zagreb, Osijek, Belgrad, Pancevo. Als eine der Pionierinnen der Mediation in Deutschland war sie 1992 auch Gründungsmitglied des Bundesverbands Mediation. In vielen Schulen in NRW werden sogar seit vielen Jahren auch Schüler und Schülerinnen im sogenannten Streitschlichtungsprogramm ausgebildet, so dass sie anschließend die Mediation für ihre peer group anbieten können (peer mediation.)
Nun ist Traude Rebmann im Juli 2026 nach langer Krankheit eines friedvollen Todes gestorben. Sie wurde fast 87 Jahre alt.
Ich hatte das große Glück, sie als Trainerin und zugewandte Ausbildungsbegleiterin zusammen mit Christoph Besemer und Mechthild Eisfeld im Jahr 2000 in Königsfeld /Taunus kennen zu lernen, als ich dort die Mediation erlernen wollte. Traude wurde unmittelbar darauf Mitglied im Frauennetzwerk für Frieden e. V. und bot uns an, kostenlose Seminare zu geben zu Themen, die sowohl für die einzelnen Mitglieder als auch für die Friedensorganisation wichtig waren. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der "Zirkel der Versöhnung" aus dem Seminar "Über den eigenen Schatten springen". Auch für das vom FNF gegründete "Deutsch-Tschechische Forum der Frauen" interessierte sie sich sehr. Das Mitmenschliche und das Zivilgesellschaftliche waren im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Menschen, die durch Kriege, globale wirtschaftliche Ungerechtigkeit oder anderes Leid verletzt waren, fanden ihre praktische Unterstützung.
Neben der Friedensarbeit im engeren Sinne engagierte sie sich stets auch für die entwicklungspolitische Arbeit mit den Schwerpunkten internationale Solidarität und globale Gerechtigkeit. Aber immer ging es darum, in Gewaltfreiheit neue Wege aus Konflikten zu finden bzw. zu erlernen. So gab sie z. B. Trainings in gewaltfreier Aktion für die Anti-Atomkraft-Bewegung und gehörte zu den Gründer*innen des ersten Eine-Welt-Ladens in Stuttgart oder dem Straßenprojekt "Ich höre Dir zu" in Nordirland.
Traude Rebmann war im Glauben tief verankert, aber sie war eine Christin der Tat, der Ökumene , der internationalen christlichen Solidarität. Dazu gehörte auch ihr Engagement bei "Church and Peace". Ihre Religiosität hatte nichts Sektiererisches oder Evangelikales, nichts Ausschließendes anderer Glaubensgemeinschaften, im Gegenteil, sie war allen zugewandt, aber auch kritisch. Sie war als evangelische Religionslehrerin ausgebildet worden, aber dieser Rahmen war für sie viel zu eng.
Traude war für das FNF und für mich persönlich ein Geschenk. Wahrscheinlich habe ich von ihr gelernt, die Welt mit anderen Augen zu sehen, Friedensperspektiven wahrzunehmen und sie zu unterstützen. Dafür gebührt ihr großer Dank. Einen Preis hat sie nie bekommen, aber viele ihrer geduldig und unermüdlich gesäten Samen sind bereits aufgegangen, auch wenn es vielerorts nicht so aussieht, Winter eben.
Möge sie ruhen in Frieden.
Heide Schütz
Ehrenvorsitzende des FNF
In Erinnerung an Traude Rebmann
Traude Rebmann ist gestorben, damit verlieren wir eine beeindruckende Trainerin und Engagierte für ein gewaltfreies und solidarisches Miteinander.
Traude gehörte zu den Pionier:innen der Mediation in Deutschland, die sie aus den USA „mitgebracht“ hat. Bei einer Begegnung beim amerikanischen Versöhnungsbund (ich absolvierte zeitgleich einen Friedensdienst in den USA) erzählte sie voller Begeisterung von dem Verfahren und ihrem Wunsch, die Mediation auch in Deutschland bekannt zu machen.
Und das hat sie umgesetzt. Traude hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich die Mediation in Deutschland verbreiten konnte. Christoph Besemer, ebenso ein Mediationspionier, dankt Traude In seinem Vorwort zum Standardwerk „Mediation – Vermittlung in Konflikten“ ausdrücklich für ihre Beratung und den unermüdlichen Einsatz. 1992 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des heutigen Bundesverbands Mediation (damals „Mediation e. V.“).
Traude hat selbst unzählige Trainings und Ausbildungen durchgeführt, ich selbst bin ebenso wie Heide von ihr, Christoph Besemer und Mechthild Eisfeld ausgebildet worden als Mediatorin. Sie war eine ausgezeichnete Trainerin – engagiert, kenntnisreich, unterstützend und besonnen. Gleichzeitig zeigte sie eine gewisse Hartnäckigkeit.
Das Thema gewaltfreie Konfliktbearbeitung war ihr Lebensthema, dabei war ihr Engagement stark vom christlichen Glauben geprägt. Sie war eine Wegbereiterin, ihr Radius und Engagement reichten weit über Deutschland hinaus, wie Heide eindrucksvoll in ihrem Nachruf beschreibt.
Wir sind uns immer wieder begegnet, auch beim FNF. Sie hat Spuren hinterlassen – sicher nicht nur bei mir.
Beate Roggenbuck
Mitglied im FNF


