Sabriye Tenberken

Sabriye TenberkenBraille without Borders (BWB) (Braille ohne Grenzen)
Tibet Disabled Persons' Federation (Tibetische Vereinigung von Menschen mit Behinderungen)
Blindheit ist nicht das Ende der Welt. Man kann als blinde Person ein wundervolles Leben führen.

Sabriye Tenberken, eine Deutsche, die im Alter von 12 Jahren erblindete, gründete 1998 die erste Schule für blinde tibetische Kinder in Lhasa. Sie hat viele Hindernisse überwunden, die Interesselosigkeit der Regierung, offene Feindschaft und unregelmäßige finanzielle Unterstützung, aber heute verändert ihr Rehabilitations- und Trainingszentrum für Blinde das Leben einer wachsenden Zahl blinder Tibeter/-innen. Trotz enormer Härten - finanziell, emotional und medizinisch - sorgte Sabriye für ein Fortbestehen der Schule. Heute ist das Zentrum zur Rehabilitation der Blinden als vorbildliche Institution in Tibet und anderen Teilen von China bekannt und genießt einen guten Ruf. Die Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler beginnen den traditionellen tibetischen Glauben zu verändern, dass Blindheit eine Bestrafung für Verfehlungen im vorherigen Leben ist. Gemäß diesen traditionellen Vorstellungen werden blinde Kinder oft zu Hause eingeschlossen oder in großen Städten wie Lhasa zum Betteln gezwungen.
Die Aufgabe steht an der Tafel: 9.730 durch 78. Wir sind in der dritten Klasse eines Internats in einer kleinen tibetischen Stadt. Vier Schüler/-innen des Zentrums - drei Mädchen und ein Junge - wurden kürzlich in die Schule versetzt und Sabriye möchte herausfinden, wie es ihnen geht. Der/die Lehrer/-in feuert die Mathefragen auf sie ab und alle vier heben die Hand. Nyima wird aufgerufen. Sie springt auf und rasselt die Antwort herunter. "Allen vieren geht es sehr gut", flüstert Sabriye mir zu. "Kürzlich gab es in einer Nacht keinen Strom und unsere Kinder waren die Einzigen, die ihre Hausaufgaben im Dunkeln machen konnten!"
Als wir nach dem Unterricht gehen wollen, fängt Gyenzen, ein 18-Jähriger, plötzlich an zu weinen. "Was ist los?", fragt Sabriye und setzt sich neben ihn. Gyenzen ist zu aufgebracht, um zu sprechen. Den Arm um ihn gelegt, beruhigt Sabriye ihn langsam. Schließlich erzählt Gyenzen, dass einige Jungen mit Steinen nach ihm warfen, er weiß aber nicht wer, da er nicht sehen kann. Sabriye umarmt ihn. "Du bist klüger als die", sagt sie. "Die sind wahrscheinlich neidisch auf dich. Sag ihnen, wenn sie kämpfen wollen, sollen sie näher kommen und mit ihren Händen kämpfen!" Gyenzen nickt und ein Lächeln erhellt sein verweintes Gesicht. Sabriye seufzt. "Blinde brauchen eine dicke Haut. Es ist falsch, sie zu sehr zu beschützen - und wahrscheinlich sowieso nicht möglich. Es ist wichtig, ihnen den Mut und die Techniken zu geben, solche Dinge zu überleben."
 

Ruth Weiss

Ruth WeissLeben ist endloses Lernen. Ich lernte, dass jede*r einzigartig ist und doch alle gleiche Rechte haben, dass es unabdingbar ist, solche Rechte zu verteidigen und die Vielfalt unserer Kulturen zu respektieren.
Eine beispielhafte Biografie des 20. Jahrhunderts: Ruth Weiss wurde 1924 in eine jüdische Familie in Deutschland hineingeboren. 1936 kommt sie mit ihrer Familie nach Südafrika und erlebt die Entwicklung der Apartheid. Sie widersetzt sich dem System mit ihrer Schreibmaschine, still aber entschlossen, in Südafrika, Simbabwe, Sambia und Europa. Sie forscht, berichtet, baut Freundschaften auf, nimmt an Projekten zur Überwindung des Rassismus teil. Ihre größte Stärke: Sie hört zu. Zuhören ist die Voraussetzung für Verständnis, Verständnis ebnet den Weg zur Versöhnung - ein weltweit gültiges Friedensmodell.
Ruth Weiss war Zeitzeugin. Als Schulmädchen erlebte sie die zerstörerische Kraft von Antisemitismus und Verfolgung. 1936 emigrierte ihre Familie nach Südafrika. Die südafrikanische Schriftstellerin Nadine Gordimer schrieb: "Ruth Weiss fand sich in einem Land wieder, wo das Zeichen des Opfers nicht der gelbe Stern, sondern die schwarze Haut ist. Als Weiße hätte sie mit der vollen Staatsbürgerschaft in Südafrika, die den Schwarzen vorenthalten blieb, zufrieden sein können." Sie hatte ein ungerechtes System gegen ein anderes eingetauscht: 1948 legalisierte die Einführung der Apartheid in Südafrika den Rassismus.
Ruth Weiss wurde Wirtschaftsjournalistin, war im südlichen Afrika wie auch in Europa tätig und bald eine anerkannte Autorität in ihrem Fach. Kompromisslos berichtete sie über die Situation im südlichen Afrika und geriet bald in Schwierigkeiten mit den Behörden. Zu Recht verdächtigte man sie der gemeinsamen Sache mit den unterdrückten Schwarzen. Als sie von 1966 bis 1968 in Simbabwe (früher Süd-Rhodesien) arbeitete, wurde sie zur Persona non grata erklärt, von den Portugiesen in Mosambik auf die schwarze Liste gesetzt und ihre Rückkehr nach Südafrika verweigert. Danach führte sie jahrzehntelang die stille Arbeit fort, wurde eine "kluge und hochbewährte Interpretin afrikanischen Denkens, afrikanischer Ziele und Strategien sowie Freundin vieler schwarzer Führer/-innen und, wohl noch wichtiger, normaler Leute". (Nadine Gordimer)
Ab 1988 arbeitete sie am Zimbabwe Institute for Southern Africa in Harare, das heimliche Treffen zwischen Mitgliedern von Befreiungsbewegungen und weißen Südafrikanern/-innen ermöglichte, um ein friedliches Ende der Apartheid vorzubereiten. Obwohl Ruth Weiss nach Europa zurückkehrte, blieb Afrika in ihrem Herzen. Sie hat zahlreiche Bücher zu vielen Themen veröffentlicht. Ihr Motto: "Kreise, die sich schließen."
Ihr Kampf um Gleichstellung ist ein Kampf für Frieden.

Monika Hauser

Ich will das Tabu brechen und die Mauern des Schweigens niederreißen. Für die Würde der gefolterten Frauen.

Die Italienerin Monika Hauser, 1959 in der Schweiz geboren, ist Gynäkologin und Direktorin der feministischen, international tätigen Frauenhilfsorganisation Medica Mondiale in Köln. 1992, mitten im Bosnienkrieg, eröffnete sie ein Therapiezentrum in der Stadt Zenica für weibliche Opfer von Vergewaltigung und Kriegstrauma. Mittlerweile arbeiten dort mehr als 80 bosnische Ärztinnen, Krankenschwestern, Therapeutinnen und andere Fachkräfte. Sie gründete Projekte für Opfer von sexueller Gewalt im Kosovo, in Albanien und Afghanistan. Medica Mondiale unterstützt lokale Frauenorganisationen anderer Länder, u.a. in Indonesien, im Irak und im Kongo.
Heißer Wind blies durch Kabul. 2002 flog Monika Hauser, die neben dem Therapiezentrum in Bosnien auch Projekte im Kosovo und in Albanien gegründet hatte, nach Afghanistan, um sich um kriegstraumatisierte Frauen und Kinder zu kümmern. Sie besuchte das Frauengefängnis in Kabul mit zwei Kolleginnen von Medica Mondiale, die seit Anfang 2002 dort aktiv ist. Das Gefängnis war baufällig, das Essen furchtbar, die Gefangenen wurden häufig geschlagen. Die meisten waren für "Moralverbrechen" eingesperrt: die Verweigerung von Zwangsheirat oder das Verlassen von gewalttätigen Ehemännern. Deprimiert verließ die Ärztin das Gefängnis.
Im Eingangsbereich traf sie Bruder und Tochter einer Gefangenen. Der Sohn durfte seine Mutter besuchen, doch die Tochter musste draußen bleiben. "Nur eine Person", hatte der Wächter befohlen und der Bruder der Gefangenen schickte den Sohn. Monika sah den leeren Blick des Mädchens – Panik, Zweifel, Verlassenheit und vollkommene Hoffnungslosigkeit. Ihre Augen spiegelten das gesamte Leid der afghanischen Frauen und Kinder, terrorisiert von Krieg und männlicher Gewalt, wider. Monika musste weinen. "Was stimmt mit der Frau nicht?", fragte der Wächter verwirrt. Nach der Erklärung sagte er: "Ich bin kein schlechter Mensch, das Mädchen darf seine Mutter besuchen."
"Diese Szene zeigt die Willkür der Männer“, sagte Monika später. "Es gibt eine Verschwörung unter Männern in Familien, Polizei, Gerichten und Moscheen, die ihnen die Frauen ausliefert. Gewalt ist überall, aber die Frauen haben niemals anderes erlebt und können sie nicht einmal erkennen und benennen. Sie sagen nur: 'Ich fühle mich schlecht'.
Aber es gibt einen Lichtblic: seit Oktober 2003 kümmern sich 10 Mitglieder von Medica Mondiale um 150 weibliche Gefangene in Kabul und Herat. Sie erreichten die Freilassung von 90 Gefangenen.

Monika Gerstendörfer

Monika GerstendörferLobby für Menschenrechte e.V.
Ich glaube an den Flügelschlag des Schmetterlings: Der Flügelschlag eines einzigen Schmetterlings in China kann – durch einen Prozess der Aufschaukelung – einen Orkan in Texas hervorrufen.

Die Menschenrechtsexpertin und Diplompsychologin Monika Gerstendörfer (*1956) leistet unschätzbare Arbeit durch Aufklärung über die Gefahren sexueller Gewalt in Deutschland. Die Mitbegründerin und Geschäftsführerin der Lobby für Menschenrechte e.V. veränderte maßgeblich gesellschaftliche Einstellungen zur Gewalt gegen Frauen und Kinder. Sie leistete sehr nützliche Vernetzungsarbeit für unzählige Vereine, Initiativen, Kriminalpolizei, Journalisten/-innen und Abgeordnete. In Wittenberg geboren, lebte sie in Baden-Württemberg. Monika Gestendörfer ist am 18. Februar 2010 verstorben
15 Jahren leistete die Menschenrechtsexpertin Monika Gerstendörfer unschätzbare Arbeit bei der Aufklärung über sexuelle Gewalt in Deutschland. Sie studierte vier Sprachen, Kunstgeschichte, Jura und Psychologie und trug maßgeblich zur Veränderung gesellschaftlicher Einstellungen zur Gewalt gegen Frauen und Kinder bei. Dass Vergewaltigung in der Ehe zu einem Straftatbestand wurde, ist ihrem Kampf zu verdanken. Besonders bemühte sie sich um eine Sprache, die den Taten angemessen Rechnung trägt. Als Mitbegründerin und Geschäftsführerin der Lobby für Menschenrechte e.V. machte sie Opferberatung und Krisenintervention, war Sachverständige bei Anhörungen auf EU-, Bundes- und Landesebene, arbeitete in Gremien und Organisationen. Sie hielt Vorträge, leitete Workshops, schrieb Artikel, Pressemitteilungen und Protestschreiben. Sechs Jahre war die Diplompsychologin im Wissenschaftszentrum von IBM-Deutschland beschäftigt; mit diesem Wissen konnte sie die Kehrseite des Mediums Internet einschätzen und im Internet gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder vorgehen. Sie arbeitete zu Frauenhandel, Zwangsprostitution, Sexarbeit und Internet für die Bundestagsabgeordnete Irmingard Schewe-Gerigk. Außerdem arbeitete sie zu Massenvergewaltigung im Krieg, sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, häuslicher Gewalt, Menschenrechte für Sexarbeiter/-innen, Genitalverstümmelung, Diskriminierung von Schwulen und Lesben, Zwangsprostitution als moderne Sklaverei, Tötung von neugeborenen Mädchen und sexualisierter Folter. Monika Gerstendörfer kritisierte, dass der Menschenhandel mit Frauen und Kindern, Zwangsprostitution, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, häusliche Gewalt und Genitalverstümmelung in Deutschland und auf europäischer Ebene viel zu weit verbreitet sind.
 

Marianne Grosspietsch

Marianne GrosspietschShanti Sewa Griha
Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will. - Albert Schweitzer

1992 gründete Marianne Grosspietsch Shanti Sewa Griha, eine Pflegeeinrichtung für Leprakranke in Katmandu. Darüber hinaus bietet Marianne auch den Armen, Behinderten und Verfolgten Obdach. Über 1.200 Menschen erhalten medizinische Hilfe, zudem gib es Kindergärten, Schulen und Werkstätten. Shanti wird von Einheimischen geleitet: zwei Frauen und sechs Männern. Marianne ist die inspirierende Quelle für alle. Sie kehrt oft nach Deutschland zurück, um Spenden für das Projekt aufzutreiben. Die umfassende soziale Integration ihrer Patienten/-innen ist ein anderer Hauptaspekt von Mariannes Arbeit.
Die Szene: Eine Versammlung im Zeremoniensaal des Kongresses von Nepal. Marianne Grosspietsch soll einen Preis für ihr soziales Engagement erhalten. Solche Zeremonien sind in Nepal heute sogar noch förmlicher als in den Zeiten der englischen Monarchie! Drei Reden werden gehalten, ein Hauch von Weihrauch liegt in der Luft. Der deutsche Botschafter geht zum Rednerpult und stellt fest, dass hier viel gelobt wird. "Ich würde Ihnen gerne von einer schlechten Angewohnheit der Geehrten erzählen ...", beginnt er. Schweigen, Verwirrung. Der Botschafter genießt den Moment - und fährt fort: "Sie kann niemandem nein sagen!" Und das stimmt. Marianne gelingt es fast nie, einen hilflosen Menschen abzuweisen, der zu Shanti kommt und um Aufnahme bittet: Ein neugeborenes Waisenkind wird gebracht, das zwei Tage am Straßenrand lag. An einem anderen Tag sieht Marianne einen jungen Mann, der sich auf den Händen vorwärts schiebt; Polio hat seine Beine zu dürren Knochen gemacht. Sie lädt ihn ein, mit ihr im Auto zu fahren. Drei Mädchen, etwa zehn Jahre alt, mussten als Kindersklavinnen für reiche Leute arbeiten. Sie flohen und bitten nun um ein Versteck, zunächst aber brauchen sie Essen und Pflege. Solche Fälle kommen jeden Tag vor und Shanti scheint bereits vor lauter Hilfesuchenden aus allen Nähten zu platzen. 
Eine kleine Kommission muss entscheiden, ob jemand aufgenommen werden kann oder nicht. Aber jedes Kind, jede Frau, jeder alte Mann kann einige Tage "auf Probe" bleiben. Das System funktioniert. Diejenigen, die bleiben dürfen, können sich aussuchen, welche Arbeit sie in den Werkstätten machen wollen. Alle haben die Chance, sich gebraucht zu fühlen und einen kleinen Lebensunterhalt zu verdienen, egal, wie eingeschränkt sie sind. Das Erfinden neuer Produkte für die Werkstätten ist eine von Mariannes Lieblingsbeschäftigungen. Aber noch lieber kümmert sie sich um die Kinder und die älteren Menschen.
Nepal erleidet einen Bürgerkrieg, in dem Maoisten/-innen Schrecken verbreiten, weite Teile des Landes erobern und mit Brutalität herrschen. Die Hauptstadt Katmandu ist vom Hinterland abgeschnitten, und häufig bringt ein erzwungener Generalstreik alles Leben zum Stillstand. Armut, Angst und Verwüstung gehören zum Alltag.

Maria Christina Färber

Wir müssen den Teufelskreis des Tötens durchbrechen. Der erste Schritt dahin ist, dass die Opfer von Gewalt nicht selbst zu Tätern werden.

Schwester Maria Christina Färber, geboren 1957, ist Krankenpflegerin und Heilpädagogin. Sie arbeitete in Deutschland mit Scheidungskindern. Während des Kosovokrieges zog sie 1999 nach Shkodra in Albanien, wo sie Flüchtlingen aus dem Kosovo half. Nach dem Krieg übernahm sie die psychologische und soziale Fürsorge der Caritas International für in Blutrache verstrickte albanische Familien. Sie tut alles, um Familien dabei zu unterstützen, aus dem Teufelskreis von Gewalt, Rache und Tod herauszukommen, indem sie verfeindete Clans versöhnt, Mütter berät und Therapien für Kinder organisiert.
Schwester Maria Christina Färber geht in Häuser, in denen die Vorhänge vor die Fenster gezogen sind, die Frauen schwarz tragen, das Lachen der Kinder verstummt ist und die Männer mit steinernen Gesichtern vor dem Fernseher sitzen. In diesen Häusern regiert die Angst. "Es gibt zu viele davon in Albanien", sagt sie. In Shkodra, wo 110.000 Menschen wohnen, leben mehr als 500 Familien in ihren vier Wänden eingesperrt. Der Grund dafür ist die tödliche Tradition der Blutrache. "Im Namen der Blutsverwandtschaft und Familienehre werden Teufelskreise in Gang gesetzt, die immer mehr eskalieren", erklärt sie. Da ihr kompromissloser Weg der Gewaltfreiheit sie in die Häuser der Täter ebenso wie in die der Opfer führt, hat sie sich nicht nur Freunde/-innen gewonnen. Ab und zu begegnet sie auch Hass, der so weit geht, dass sie mit dem Tod bedroht wird. "Aber mit Hilfe meines Glaubens", sagt sie, "kann ich durchhalten." Zur Gewaltprävention wurde ein Komitee von Männern zusammengerufen, um in Dorfversammlungen über die dringendsten Bedürfnisse der Bevölkerung zu sprechen. Schließlich begann die Bevölkerung von Dobrac, ihre Straßen zu reparieren und die Müllabfuhr zu organisieren.
Schwester Maria Christina hat lange das von ihr gewählte Heimatland Albanien als Ort ihrer Berufung erlebt, wie nur ein Mensch das kann, der tief im Glauben verwurzelt ist. Auch aus diesem Grund trat sie in den Orden Spirituelle Weggemeinschaft ein. Ab und zu verbringt sie ein paar Wochen im Schweizer Zentrum dieser Gemeinschaft, um neue Kräfte für ihr Leben in Dobrac zu sammeln. "Ohne die anderen, ohne meine religiöse Gemeinschaft, ohne unsere albanischen Kollegen/-innen und alle, die einen Schritt näher auf den Frieden zugehen, ohne die vielen Gebete von Freundinnen und Freunden, ohne die ständige Hilfe so vieler Menschen, ohne Gott, könnte ich in diesem Land nichts bewirken, überhaupt nichts."
In den unzugänglichen Bergen Albaniens beherrscht der Kanun alles. Er ist ein 600 Jahre altes Gesetz, das mündlich überliefert wurde, das mächtig war und es jetzt wieder ist. Dem Kanun gemäß kann im Falle eines Mordes die Gerechtigkeit ausschließlich durch das Vergießen des Blutes eines männlichen Mitglieds der Täterfamilie wiederhergestellt werden.

Lea Ackermann

Lea Ackermann
Solidarity with Women in Distress (SOLWODI) (Solidarität mit Frauen in Not)
Solidarity with Girls in Distress (SOLGIDI) (Solidarität mit Mädchen in Not)
Ich akzeptiere das Argument, Prostitution und Sklaverei seien so alt wie die Menschheit und der Kampf gegen sie sei Sisyphosarbeit, nicht. Seuchen sind auch alt, aber wir hören nie auf, sie zu bekämpfen.

Die SOLWODI Beratungszentren werden von katholischen Nonnen geführt. Trotz des katholischen Hintergrundes hilft SOLWODI Menschen verschiedener religiöser Konfessionen. Sr. Dr. Lea Ackermann hilft Frauen, die Opfer von Menschenhandel gewesen sind. Sie gründete die Gemeinschaft Solidarity with Women in Distress (SOLWODI). SOLWODI unterstützt seit 1985 Frauen, zuerst in Kenia und mittlerweile weltweit, die in den Prostitutionstourismus verwickelt sind. Die Organisation hilft Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind und nach Razzien in Bordellen in die Zentren gebracht werden, während der Gerichtsverhandlungen und sorgt für ihre Sicherheit. Zudem entstand 2002 in Mombasa SOLGIDI (Solidarity with Girls in Distress – Solidarität mit Mädchen in Not) für Töchter von Prostituierten. Da es ungezählte Aidsopfer in Afrika gibt, ist es besonders wichtig für die Überlebenden, sich trotz des Generationenunterschieds miteinander zu versöhnen. Als Sr. Lea Anfang der 80er Jahre als Lehrerin in der kenianischen Großstadt Mombasa war, kam sie dort ins Gespräch mit kenianischen Frauen, die aus Not heraus in der Prostitution arbeiten mussten. Mombasa war das Zentrum des Prostitutionstourismus, als Militärhafen auch der militärischen Prostitution.

Karla Schefter

Kommittee zur Förderung Medizinischer und Humanitärer Hilfe für Afghanistan
Über jeden Berg führt ein Weg.

Gibt es eine bessere Beschreibung für Karla Schefters humanitäre Arbeit als dieses afghanische Sprichwort? Sie war mit zahllosen "Bergen" konfrontiert und fand dennoch über jeden einen Weg. Mit außergewöhnlichem Mut, enormem Durchhaltevermögen und scheinbar unerschöpflicher Beharrlichkeit sowie unter großen persönlichen Opfern baute sie ihr Lebenswerk, das Chak-e-Wardak-Hospital in Afghanistan, auf. Seit 1989 leitet sie dieses Krankenhaus, das Tausende, insbesondere Frauen und Kinder, mit dringend benötigter medizinischer Hilfe versorgt.

Alles begann damit, dass Karla Schefter vor rund 20 Jahren als OP-Schwester in einem deutschen Team nach Afghanistan ging. Das Elend dort ließ ihr keine Ruhe. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland fasste sie den Plan, ein Krankenhaus im ländlichen Afghanistan zu eröffnen. Mit unermüdlicher Ausdauer sammelte sie Spenden, brachte das Geld eigenhändig nach Afghanistan und begann mit dem Aufbau einer medizinischen Einheit im Westen der Provinz Wardak. Aus diesen bescheidenen Anfängen und nach einigen Rückschlägen entstand ein Krankenhaus, das jährlich etwa 100.000 Patienten/-innen behandelt, 75% davon sind Frauen und Kinder. Die Menschen kommen für die Behandlungen von weit her, oft in Begleitung ihrer Angehörigen, und alle werden aufgenommen. Im Gegenzug werden die Verwandten um ihre Mithilfe gebeten, sei es bei der Küchen- oder Gartenarbeit oder beim Putzen. Die Ärzte/-innen und Schwestern des Hospitals entbinden, behandeln innere Erkrankungen, operieren, organisieren Impfkampagnen und bieten zahn- und augenärztliche Dienste an. Ärztliche Teams reisen nach Wardak, um dort vorübergehend bei Untersuchungen und Operationen zu helfen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ausbildung von Einheimischen, besonders Frauen, in Krankenpflege, traditioneller Geburtshilfe und Physiotherapie. Nach der Ausbildung bleiben sie im Krankenhaus oder arbeiten für andere Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation. Karla Schefters Engagement für die Bedürftigen in den afghanischen Bergregionen findet in Afghanistan und weltweit Anerkennung und Respekt. Sie wurde mehrfach für ihre Arbeit ausgezeichnet.
Kein Rückschlag - ob bewaffnete Kämpfe in der Nähe des Krankenhauses, Versorgungsengpässe, Krankheit oder persönliche Verfolgung - konnte Karla Schefter von ihrem Ziel abhalten, medizinische Hilfe in einer abgelegenen Region dieses leiderfüllten Landes sicherzustellen. Im seit vielen Jahren von Krieg und zivilen Unruhen gebeutelten Afghanistan herrscht extreme Armut. Es fehlt am Lebensnotwendigsten und an medizinischer Versorgung, ganz besonders in den abgelegenen Bergregionen.

Judith Brand

Judith Brand

Frieden kann nicht wieder hergestellt werden, indem wir uns zwingen zu vergessen. Er kann nur erreicht werden, wenn wir aus eigenem Antrieb aufeinander zugehen.

Judith Brand, geboren 1969 in einer süddeutschen Familie, entschied sich schon früh dafür sich für ein besseres Leben von weniger privilegierten Menschen zum einzusetzen. Als der Krieg in Kroatien und Bosnien 1992 begann, hatte Judith Brand das Gefühl, dass sie mehr tun müsste, als nur die Nachrichten im Fernsehen anzuschauen.
Jedes Jahr während ihrer Sommerferien engagierte sie sich für bosnische Kriegsflüchtlinge in Sammellagern in Kroatien und Bosnien. Seitdem kam sie immer wieder auf den Balkan zurück: Im Auftrag der deutschen NGO Amica e.V unterstützte sie traumatisierte Flüchtlingsfrauen in Tuzla, Bosnien-Herzegowina, im Rahmen eines Praktikums während ihres Studiums der Sozialarbeit. Diese Frauen waren auch Teil der wissenschaftlichen Recherche für ihre Diplomarbeit über die Veränderung der Lebensbedingungen bosnischer Frauen durch den Krieg. Nach ihrem Studienabschluss 1999 begann sie, im Kosovo zu arbeiten, und baute verschiedene Projekte für Mädchen und Frauen auf, ungeachtet ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Mit Hilfe der Organisation Amica e.V. entstand ein selbsttragendes, multi-ethnisches Projekt in der umkämpften Region Rahovec/Orahovac, Kosovo.
Fünf Jahre später, als Judith Rahovec verließ, beschäftigte die lokale Organisation Hareja 40 Frauen in unterschiedlichen Aufgabenfeldern, z.B. der Unterstützung von Schulen, der Kinderversorgung, Computerkursen oder der Leitung eines Cafés. Diese Frauen ließen die alten Fehden hinter sich und setzten sich sogar gegen ihre eigenen Männer durch und fingen an zu arbeiten. Kriegstraumatisierte serbische und kosovarische Frauen begannen zusammenzuarbeiten.
Amica e.V. unterstützt auch heute Frauen und Mädchen in Krisenregionen und Nachkriegsgebieten. Für die in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo wurde Amica e.V. 2010 mit dem Deutschen UNIFEM-Preis ausgezeichnet.

Heide Göttner-Abendroth

Das Matriarchat zeigt uns eine ausgeglichene, gleichberechtigte und friedliche Gesellschaft, ohne Krieg und das Gesetz der Herrschaft. Ich bin überzeugt, dass das Matriarchat für eine humane Welt gebraucht wird.

Heide Göttner-Abendroth ist Philosophin und Erforscherin matriarchaler Gesellschaften und Kulturen. Aufgewachsen in Ostdeutschland, entwickelte sie früh ein Interesse an egalitäre und friedliche Gesellschaften und stellte soziale Muster stets in Frage. Sie ist eine der Frauen, die im Rahmen der weltweiten Initiative „1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005“ nominiert wurden.
1973 wurde sie zur Doktorin der Philosophie und Wissenschaftsgeschichte an der Universität München promoviert und lehrte dort zehn Jahre. Ihre Forschung über Strukturen, die vor dem Patriarchat bestanden, stellte ihre Weltanschauung und ihr Geschichtsverständnis auf den Kopf. Während des Protests gegen Frauendiskriminierung trat sie 1976 der Frauenbewegung bei und wurde eine Vorreiterin der Frauenforschung in Deutschland. Sie wurde als scharfsichtige Kritikerin des Patriarchats bekannt und wurde die Gründungsmutter der modernen Matriarchatsforschung.
1986 gründete Heide Göttner-Abendroth Hagia, die unabhängige Internationale Akademie für Matriarchatsforschung in Deutschland, welche hauptsächlich von Frauen besucht und unterstützt wird. In ihren viel gelesenen Büchern kämpfte sie gegen Vorurteile gegenüber matriarchalen Gesellschaftsformen. In ihrem 1988 veröffentlichten Hauptwerk "Das Matriarchat" zeigt sie, dass diese Gesellschaften nicht von Frauen dominiert werden, sondern dass sie auf dem Prinzip der Balance zwischen den Geschlechtern und Generationen und zwischen der Menschheit und der Natur beruhen. Mit den Werten der Mütterlichkeit und intelligenten Grundsätzen organisierten Frauen Gesellschaften der Gleichberechtigung, um Gewalt zu verhindern und Frieden zu erhalten. Sie basieren auf Kommunikation und Konsensfindung, nicht auf Herrschaft. Daraus gewann sie für die Zukunft der Menschheit die Vision eines wahrhaft humanen Lebens.
Im Jahr 2011 leitete Heide Göttner-Abendroth eine Konferenz zur Matriarchatspolitik mit dem Titel "Die Zeit ist reif. Wir gehen in eine lebenswerte Gesellschaft" in St. Gallen, Schweiz. Im Jahr 2012 erhielt sie den "Saga Award" der Association of Women & Mythology in Kalifornien.
Die Matriarchatsforschung war und ist Gegenstand von Angriffen durch wissenschaftliche, psychologische und christliche Gruppen, von der politischen Linken und Rechten, von Männern und Frauen. Sie wird von verschiedenen patriarchalischen Denkschulen und Institutionen von Männern und Frauen gleichermaßen als Bedrohung wahrgenommen.

Cathrin Schauer

Jeden Tag treffe ich Frauen, die niemals gefragt wurden, wie sie sich fühlen. Schon einer Frau zuzuhören, sie zu umarmen, den Problemen ihres verzweifelten Lebens zu lauschen, bedeutet Hilfe.

Auf einer etwa 250 km langen Strecke entlang der deutsch-tschechischen Grenze entwickelte sich in den letzten 15 Jahren eine neue Prostitutionsszene. Die Zahl der Prostituierten und Freier steigerte sich dramatisch, ebenso die Brutalität, die hierarchischen Bandensysteme und das Elend der Frauen und Kinder. Die Kunden kommen fast alle aus Deutschland. Unter den über 1.000 Prostituierten sind Frauen, Mädchen und immer mehr Kinder aus der Tschechischen Republik, Osteuropa und einige aus Asien. Dies ist der Arbeitsplatz von Cathrin Schauer.
Die Krankenschwester und Sozialarbeiterin besucht jeden Ort im größten Rotlichtviertel Europas einmal in der Woche, auch die Straßenstriche und Bordelle. Sie bringt Kondome, Ratschläge und einen flüchtigen Eindruck von Normalität.
"Jeden Tag treffe ich Frauen, die niemals wirklich gefragt wurden, wie sie sich fühlen. Ihnen einfach nur zuzuhören, sie zu umarmen, den Problemen ihres verzweifelten Lebens zu lauschen, hilft.“ Aber dies ist nur ein Teil ihrer Arbeit. Über die Jahre hat sie 168 Frauen geholfen, aus der Prostitution auszusteigen. Sie eröffnete ein Beratungszentrum in der tschechischen Stadt Cheb, benannt nach ihrer Freundin Marita P., die an Aids starb. Cathrin schrieb ein Buch und startete Kampagnen, um das öffentliche Bewusstsein zu wecken. Sie und ihre Kollegin sind die einzige Hilfe für die Prostituierten in der Region. Die Finanzierung ist ausgelaufen, daher wird die Organisation Karo e.V. nur noch aus privaten Beiträgen finanziert.
"Ich wünschte, die Politiker/-innen, die für die Verteilung der Finanzmittel verantwortlich sind, würden uns nur für 24 Stunden begleiten. Niemand kann sich vorstellen, wie diese Frauen und Kinder leben müssen. Ausmaß und Elend der Prostitution in dieser Region zeigen ein grundlegendes Problem im Kern der gesamten Gesellschaft. Deutschland muss Verantwortung übernehmen."

Bosiljka Schedlich

Das Kriegstrauma erfüllt alle unsere Zellen mit Furcht. Heilung ermöglicht die Rückkehr zum Frieden und zum gegenseitigen Vertrauen als Menschen.

Das von Bosiljka Schedlich 1991 in Berlin gegründete Zentrum südost Europa Kultur e.V. führt viele Projekte für traumatisierte Kriegsopfer aus dem ehemaligen Jugoslawien durch: Gruppentherapie, Sozialberatung, Sprachkurse, Ausbildungsprogramme für Jugendliche, Kunstgruppen für Kinder und Schulen für Romakinder in Bosnien. Zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen hat Bosiljka Schedlich im ehemaligen Kriegsgebiet auch die Versöhnungsarbeit durch Patenschaften belebt.
Die Erzählcafés in Bosnien, von denen es jetzt mehr als 60 gibt, sind ihr Lieblingsprojekt. Der Grundgedanke ist, dass ältere Menschen aus dem Wohnort und ausländische Gäste ihre Lebensgeschichten in einer angenehmen Atmosphäre erzählen können. Auf diese Weise können Menschen in den Geschichten anderer das Leiden ohne den ethnischen Kontext anerkennen. So haben bereits ältere Menschen vom Zweiten Weltkrieg erzählt; ein deutsches Ehepaar hatte während der Hitlerzeit Juden/Jüdinnen versteckt. Andere berichteten von ihren Erlebnissen in anderen Kriegen; einer hatte zum Beispiel den Krieg in Algerien überlebt.
In Bjeljina, das noch immer eine Festung des serbischen Extremismus ist, hatte eine Muslimin den Mut, über ihre Begegnung mit einem der berüchtigten serbischen Milizenführerzu sprechen. "Sie erzählte von den vielen Leichen vor dem Hospital", sagt Bosiljka. "Es waren Menschen, die von der Miliz erschossen worden waren. Tödliches Schweigen. Ein alter Lehrer, dessen Sohn die extremistische serbische Partei gegründet hatte und für den dieser Führer ein Held war, signalisierte mir immer wieder, ich solle die Frau unterbrechen. Meine Kollegen/-innen verließen den Raum, sie dachten, nun würde eine Bombe platzen. Als die Frau fertig war, ließ ich den Lehrer sprechen. Er ratterte die serbische Propaganda herunter.
Als er aufhörte, dankte ich ihm und beendete das Thema. Wir seien nur an dem interessiert, was jede und jeder Einzelne, nicht die ethnischen oder religiösen Gruppen, erlebt hatte. Das war für ihn die Bombe, aber es wirkte. Danach waren alle entspannter und wir sangen zusammen."
Als der Krieg im ehemaligen Jugoslawien ausbrach, flohen etwa 45.000 Menschen nach Berlin. Im Zentrum südost Europa Kultur e.V. fanden viele von ihnen Schutz, Rat und Hilfe. Das Zentrum hilft bei der Wiederherstellung eines Gefühls der Menschenwürde. Heute führt das Zentrum auch in den vom Krieg zerstörten und traumatisierten Gebieten Projekte durch.

Barbara Gladysch


Barbara GladyschMütter für den Frieden
Meine Utopie ist es, dass wir Mütter, wir Frauen, unsere Söhne vom Militärdienst fernhalten können, ganz gleich, in welchem Teil der Welt sie kämpfen sollen.

Barbara Gladysch, geboren 1940, arbeitete 36 Jahre lang als Sonderschullehrerin. Sie hat sich der Aufgabe gewidmet, Kindern weltweit ein Leben in Frieden zu sichern. "Kinder haben ein Recht auf Frieden und wir Erwachsene müssen ihn für sie schaffen", sagt Barbara Gladysch.
1981 gründete sie in Düsseldorf „Mütter für den Frieden“. Bereits zuvor hat sie sich in der Friedensbewegung engagiert, machte mit bei Blockaden vor Atomraketen-Stützpunkten, Menschenketten, Kundgebungen und Fastenaktionen. Mit russischen Müttern setzte sie sich zunächst im Krieg gegen Tschetschenien für den Frieden ein. Anfang der 1990er Jahre kümmerte sie sich um Kriegsflüchtlinge vom Balkan und gründete die Hilfsorganisation „Kinder von Tschernobyl“.
Als Barbara Gladysch 1996 zum ersten Mal nach Grosny, der Hauptstadt des vom Krieg zerrissenen Tschetschenien, reiste, berührte sie vor allem die Notlage der Kinder. Einige waren psychisch so stark geschädigt, dass sie nicht mehr sprachen, nicht mehr spielten und niemanden mehr direkt ansahen. 1997 gründete sie daher das Therapiezentrum Kleiner Stern in Grosny für Kinder, die im Krieg traumatisiert wurden. Hier werden Kinder durch Therapeuten/-innen und Erzieher/-innen ermutigt, über ihre Kriegserlebnisse zu sprechen, und sie lernen, wieder zu singen und zu tanzen.
1998 wurde sie mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Viele weitere Auszeichnungen folgten, u.a. die Ehrenmitgliedschaft im Komitee der Russischen Soldatenmütter sowie dem Mac-Bride-Friedenspreis des internationalen Friedensbüros.
Das ihr 2005 zuerkannte Bundesverdienstkreuz I. Klasse lehnte Barbara Gladysch ab. Ende 2016 kündigte sie an, den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen wegen der Abschiebung von 10 Flüchtlingen nach Afghanistan abzulehnen.

Seyran Ateş

Website von Seyran Ateş

Ich bin auf einem langen, schmalen Pfad ich laufe Tag und Nacht Ich weiß nicht, in welchem Land ich bin Ich laufe Tag und Nacht. - Asik Veysel

Seyran Ateş, 1963 in der Türkei geboren, arbeitet in Berlin als Anwältin gegen Zwangsheirat und sogenannte Ehrenmorde. 1984 wurde sie angeschossen, als die Jurastudentin in einem Beratungszentrum für türkische Frauen arbeitete. Eine andere Frau starb am Tatort. Trotz dieser schmerzlichen Erfahrung gibt Seyran Ateş ihre öffentliche Unterstützung für Frauenrechte nicht auf. Als Berlin im Winter 2004/2005 von einer Serie von Ehrenmorden erschüttert wurde, bat sie die Regierung, bestimmte Gesetze zu stärken. Als Reaktion begann eine populäre türkische Zeitung eine Kampagne gegen die "verrückte Anwältin“.
Seyran Ateş sitzt in ihrem Büro im Zentrum von Berlin und schaukelt ihr Baby. Am Samstag würde die Anwältin mit türkisch-kurdischem Hindergrund lieber mit ihrer kleinen Tochter spielen als die Presse zu treffen. Aber sie hat unter der Woche keine Zeit. Seyran ist eine gefragte Frau, immer beschäftigt, Interviews zu geben oder Reden zu halten. Das Medieninteresse an ihr hat sich erhöht, nachdem Berlin der Tatort von fünf Ehrenmorden innerhalb von vier Monaten wurde. Fünf junge türkische Frauen, die ihr eigenes Leben führten und nicht in Zwangsheiraten einwilligten, wurden von Männern ihrer eigenen Familien getötet, weil sie die "Familienehre" beschmutzten. Seyran versucht den Frauen zu helfen, bevor es zu spät ist. Sie vertritt sie vor Gericht, bei der Annullierung von Zwangsheiraten oder der Scheidung von gewalttätigen Ehemännern. Und sie vertritt sie politisch in der Öffentlichkeit.
Ihre öffentlichen Reden setzten sie einem Risiko aus. Nachdem sie 1984 angeschossen wurde, ist sie sich der Gefahr nur allzu bewusst. Ihr linker Arm ist gelähmt und schmerzt immer noch. Sie brauchte mehrere Jahre, um ihr inneres Gleichgewicht wiederzufinden. Jetzt fühlt sie sich erneut bedroht, da die populäre türkische Zeitung "Hürriyet“, in Deutschland viel gelesen, eine Kampagne gegen sie gestartet hat. "Diese Anwältin ist verrückt geworden“, schrieb die Zeitung. Sie habe behauptet, alle Türken seien Verbrecher. Natürlich hat Seyran das nie gesagt. Sie ist weder Männerhasserin noch Islamhasserin. Sie versucht, so vorsichtig wie möglich zu argumentieren. Aber sie will nicht ihren Glauben daran aufgeben, dass Frauen dieselben Rechte haben wie Männer. Ihre Klienten/-innen kennen und verstehen ihre Position. "Viele sagen, dass ich ihnen Mut und Stärke gebe“, strahlt sie vor Freude. "Jede Frau, die mein Büro glücklich verlässt, ist ein Erfolg für mich. Frauenrechte sind mein Lebenswerk.“
Ungefähr zwei Millionen Menschen in Deutschland sind türkischer oder kurdischer Abstammung. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Diskriminierung haben dazu geführt, dass sie eine traditionelle Lebensweise führen. Viele junge Frauen müssen arrangierte Ehen akzeptieren. Wenn sie rebellieren, laufen sie Gefahr, von den Männern ihrer eigenen Familie getötet zu werden.

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      Telefon: +49(0)228 - 62 67 30
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      Ansprechpartnerin: Heide Schütz

    • Anschrift

      Frauennetzwerk für Frieden e.V.
      Dr. Werner-Schuster-Haus
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