Entstehung

DAS FRAUENNETZWERK FÜR FRIEDEN E.V. - EIN KIND DER 4. WELTFRAUENKONFERENZ

Als das Frauennetzwerk für Frieden e.V. am 03. Februar 1996 - nur wenige Monate nach der 4. Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen in Peking/Huairu gegründet wurde, war der Name "Netzwerk" durchaus avantgardistisch. Inzwischen ist er in die sozialen Netze des World Wide Web vorgedrungen und das Verb "vernetzen" ist in aller Munde. Was gab den Anstoß?

Es waren die Themen der 4. Weltfrauenkonferenz, die unter dem Motto "Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden" diskutiert wurden und die schließlich in der Pekinger Aktionsplattform ihren Niederschlag fanden. Das Kapitel E 4 "Frauen und bewaffnete Konflikte" und "Frauen als Friedensakteurinnen" war die Agenda, die es auf nationaler und internationaler Ebene zu bearbeiten galt.

Die Erfahrungen der Arbeitsgruppe "Frauen und Frieden" zur Vorbereitung der 4. Weltfrauenkonferenz zeigten die Chance auf, dass Frauen* aus den unterschiedlichsten Milieus, z. B. der christlich, gewerkschaftlich oder politisch orientierten Arbeit, der Friedenspädagogik, der Friedenswissenschaft und der Entwicklungsarbeit, einen gemeinsamen Friedensbegriff formulieren konnten. Auf dieser Grundlage wurde bereits auf der 4. Weltfrauenkonferenz die Grundlage geboren, eine nationale FrauenFriedensorganisation zu gründen, welche die Potentiale lokaler FrauenFriedensgruppierungen, von FrauenFriedensorganisationen und Privatpersonen bündelte. Sie sollte aber auch Organisationen offen stehen, die sich zusätzlich dem Thema Frieden öffnen wollten. Ziel war es, in dem Dreiklang aller Weltfrauenkonferenzen seit 1975 "Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden" dem Thema Frieden ein stärkeres Gewicht auf nationaler Ebene zu geben.

Bestimmend für die Gründung des Vereins waren auch die unmittelbaren und prägenden Erfahrungen im Friedenszelt auf dem NGO Frauenforum in Huairu, wo sich Frauen und Frauenorganisationen in ihrer großen Vielfalt mit dem gemeinsamen Ziel trafen, Kriege zu beenden oder zu verhindern, beziehungsweise - unter voller Partizipation von Frauen - dauerhaften Frieden und Gerechtigkeit nach Kriegen zu schaffen. Das Motto des Friedenszeltes lautete "Change the Culture of War to a Culture of Peace" - wandelt den Kult des Krieges in eine Kultur des Friedens. Dies wurde später auch durch die UN-Dekade zur Kultur des Friedens aufgegriffen. 

Die Gründung eines Vereins mit dem sehr anspruchsvollen Ziel einer Bandbreite von Aktivitäten auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene, wäre wahrscheinlich nicht erfolgt, hätte es angedeutete Möglichkeiten einer strukturellen Förderung seitens des BMFSFJ nicht gegeben. Da diese Form der Zusammenarbeit später allerdings nicht zustande kam, leistete der Vorstand die Arbeit in der Geschäftsstelle ehrenamtlich.


Bereits im ersten Jahr der Gründung des Frauennetzwerks für Frieden e.V. stellte sich durch die Anfrage von tschechischer Seite die anspruchsvolle Aufgabe, die in der ersten gemeinsamen Konferenz formuliert wurde: "Deutsche und tschechische Frauen im Versöhnungsprozess" - Die gemeinsame deutsch-tschechische Erklärung nach dem Regimewechsel der tschechischen Republik war zu dieser Zeit noch nicht zustande gekommen. Nun war es an den Frauen, aus zivilgesellschaftlicher Perspektive eine Bestandsaufnahme zu machen und erste Schritte zur Überwindung einer historisch bedingten Feindschaft zu gehen. Als Folge dieser Konferenz wurde das Deutsch-tschechische Forum der Frauen gegründet, das später auf der Basis von zwei nationalen Vereinen und einem Koordinationsausschuss bestand. Über viele brisante Themen wurde diskutiert, geschichtliche und aktuelle Themen im Wechsel, immer auch aus einer europäischer und internationaler Perspektive, die über die bilaterale Ebene hinausging. Wir nannten dieses Projekt "Fenster zur Geschichte". Die Metapher ermöglichte das Verständnis für die notwendige Multiperspektivität. Nach 19 Jahren binationaler Zusammenarbeit wurde das Deutsch-tschechische Forum im Mai 2015 verabschiedet. Dies war wegen mangelnder finanzieller und personeller Ressourcen leider nötig geworden. Alle 13 Konferenzen und Programme wurden jedoch vorbildlich dokumentiert und können jederzeit zugänglich gemacht werden.

Ein zweiter Verein entwickelte sich aus der Zusammenarbeit mit ukrainischen Frauen. Es entstand Hilfe Direkt e.V., der sich besonders um Waisenhäuser in der Ostukraine kümmerte.

Der dritte Verein, das Forum Crisis Prevention, entstand nach der Ausarbeitung eines Konzepts zur Einrichtung eines neuen UN Gremiums, UNCOPAC (UN Commission on Peace and Crisis Prevention) durch eine Arbeitsgruppe, die maßgeblich vom Berghof Center für konstruktive Konflikttransformation und dem Frauennetzwerk für Frieden getragen wurde. Durch die Ausarbeitung der Statuen des neuen Gremiums wurden verschiedene Initiativen zusammengeführt, welche die Rolle der Vereinten Nationen in der Prävention bewaffneter Konflikte und die aktive Rolle der UN als Friedensstifterin zum Fokus hatten. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, dass das Gremium gender balanced besetzt sein sollte. Bereits auf der 4. Weltfrauenkonferenz hatte die AG Frauen und Frieden auf vielen Foren für die Einrichtung einer UN Peace Commission geworben. Eine parallel arbeitende Arbeitsgruppe der UN verständigte sich später auf eine Peace Commission, die allerdings nur den Frieden nach, und nicht vor einem Krieg regeln sollte.

Die vierte und bisher letzte Gruppierung, die aus dem Frauennetzwerk für Frieden entstand, waren die FrauenWege Nahost, die sich aus einer Nahost-Arbeitsgruppe des FNF entwickelte.

Die internationale Ausrichtung des FNF manifestierte sich auch in der aktiven Beteiligung am internationalen Projekt 1000 FriedensFrauen Weltweit zur Nominierung von 1000 FriedensFrauen für den Friedensnobelpreis 2005, und zwar sowohl in der Vorschlagsphase für 2005, als auch bei der erneuten Nominierung für den Friedensnobelpreis 2006. Zwei Jahre später schloß das FNF das große Übersetzungsprojekt ab, ab dem die englischsprachigen Frauenportraits in die deutsche Sprache Übersetzt wurden. Eine Ausstellung zu den 1000 FriedensFrauen wurde mehrmals gezeigt und zusätzlich innerhalb des Netzwerkes angeregt und betreut.

Im Jahr 2000 verabschiedete der UN Sicherheitsrat - nach intensiver Lobbyarbeit durch bei der UN tätigen NGOs - die Resolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit. Sie erhielt die besondere Unterstützung durch Kofi Annan. Wiederrum getragen durch die zielstrebige Arbeit von FrauenFriedensorganisationen wurden nach und nach verschiedene "Nationale Aktionspläne" verabschiedet, wobei die Bundesregierung den Beschluss eines Nationalen Aktionsplans zu Umsetzung der Resolution bis ins Jahr 2012 verzögerte!

Das FNF war in diesem Zeitraum nicht nur Mitglied bei der Gründung des Frauensicherheitsrates, sondern ist auch aktives Mitglied des deutschen Bündnis 1325. Dabei geht es nach wie vor maßgeblich um die Umsetzung der Forderungen der Resolution, sowohl nach dem Schutz von Frauen und Mädchen vor sexualisierter Gewalt in bewaffneten Konflikten - was der UN Sicherheitsrat 2008 als völkerrechtswidrige Kriegstaktik anerkannt hatte -, als auch um die volle Beteiligung von Frauen, auch Vertreterinnen lokaler Friedensinitiativen aus den Konfliktländern, bei den Friedensverhandlungen nach dem Krieg.

Auf lokaler Ebene engagiert sich das FNF in einem Koordinationskreis zu den Bonner Friedenstagen im Zusammenhang mit dem Internationalen UN-Friedenstag am 21. September jeden Jahres, bei der Durchführung des Friedenslaufes der Schulen in Bonn und Umgebung in Kooperation mit dem Forum Ziviler Friedensdienst und bei der Vernetzung der Schulen durch den überregionalen Streitschlichtungstreff im Bonner Raum. Weitere Angebote im Bereich der Konflikt- und Gewaltminimierung in den Schulen sind ebenfalls Teil des Programms.

Ein langjähriges Projekt betrifft die Erinnerungsarbeit an die erste Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Ihre pazifistischen Zielsetzungen und und friedenspolitischen Analysen des Kriegskultes haben Geltung bis in die heutige Zeit. Zu Unrecht wurde sie mehr oder weniger "vergessen". Mit der Errichtung einer Stele am Bertha-von-Suttner-Platz in Bonn und verschiedene Aktionen in ihrem 100. Todesjahr 2014 fand dieses Engagement seinen vorläufigen Höhepunkt.

Ziel all dieser Aktivitäten ist der Aufbau einer nachhaltigen Friedenskultur und der gleichberechtigten Partizipation der Frauen allen allen Friedensaktivitäten in Politik und Gesellschaft. Dabei steht der Fokus auf Frauen gleichberechtigt neben einer Gender-Perspektive, die den Blick auf die unterschiedlichen Perspektiven aller Geschlechter mit einbezieht, und dem kontinuierlichen Bemühen von Frauen* und Männern für diese Perspektive. Hierbei kooperiert das FNF mit zwei Arbeitsgruppen mit anderen NGOs, einmal der AG Gender des entwicklungspolitischen Netzwerks VENRO und der AG Gender und Frieden des Bund für Soziale Verteidigung.

Im November 2015 wurde das Frauennetzwerk für Frieden von der Stiftung Else Mayer für sein gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet. Die Stiftung wurde 2005 nach der Auflösung des katholischen Erlöserbundes Bonn und zur Wahrung ihres Andenkens gegründet. Die Schwesternschaft wollte Ziele der Frauenbewegung verwirklichen und setzte sich für die Themen Frauenwohl und Frauenbildung ein, um die gellschaftliche Stellung der Frau zu stärken. Der Name der Stiftung, Else Mayer, geht auf eine Mitbegründerin der katholischen Kongregation Erlöserbund zurück.

  Preisverleihung Else MayerHeide Schütz

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      Ansprechpartnerin: Heide Schütz

    • Anschrift

      Frauennetzwerk für Frieden e.V.
      Dr. Werner-Schuster-Haus
      Kaiserstr. 201
      D-53113 Bonn